Mein Resümee der Praktikumswoche

Meine Praktikumswoche ist nun erstmal vorbei. Ich bin in dieser Zeit vielen Menschen begegnet, die mich in ihren Arbeitsalltag mitnahmen und mir so einen Einblick in ihre persönliche Lebenswirklichkeit erlaubten.
Sehen, zuhören und mitmachen, das war mein Anspruch in dieser Woche. Da war das Seniorenheim in Waltershausen, welches mit dem Kneipp-Konzept versucht die Gesundheit der Bewohner zu fördern und durch das Wohngruppenkonzept ihnen ihre Eigenständigkeit weitestgehend bewahren möchte. Das alles kostet Geld und Personal. Personal welches ziemlich schwer zu finden ist. Die Geschäftsleitung wünscht sich eine andere Gestaltung des Fachkräfteschlüssels, um mehr Personal einstellen zu können. Das gleiche erzählte mir am Abend der Handwerksmeister Biedermann aus Bad Tabarz. Lehrlinge zu finden und zu halten sei momentan ein großes Problem. Die Industrie und die Unis würden fast alle jungen Menschen regelrecht aufsaugen. Ich war in der Thüringeti bei Crawinkel, wo Landwirt und Ortsteilbürgermeister Heinz Bley eine sehr naturnahe Tierhaltung und Landschaftspflege umsetzt. Ihm macht der Wolf Sorgen. Er verlangt ein konsequentes Vorgehen des Landes. D.h. ausreichende und unbürokratische Entschädigung für gerissene Tiere oder aber ein Abschuss, sollte die Wölfin sich weiter auffällig und untypisch verhalten.

Ich durfte bei der EJOT in Tambach-Dietharz mitarbeiten und meine eigenen Schrauben herstellen. Die Mitarbeiter dort sind sehr zufrieden, bekommen nun bald auch die 35-Stundenwoche und Westtarif. Um Nachwuchs macht man sich deshalb bei EJOT keine Sorgen, aber es ist der Geschäftsleitung bewusst, dass der demografische Wandel für viele Unternehmen in der Gegend ein Problem darstellt. Ein Lösungsansatz für den demografischen Wandel begegnete mir am Freitag, als ich im Gasthaus „Zur Aue“ in Herrenhof als Kellner aushalf. Die Aue wird von dem gebürtigen Inder Balvinder Singh geführt. Er ist Chef eines bunt gemischten Teams und bietet gute deutsche Hausmannskost an. In der Gastronomie zu arbeiten ist ein harter Job. Er ist körperlich fordernd und Wochenendarbeit ist normal. Hinzu kommt, dass nicht so gut wie in der Industrie gezahlt werden kann.
Was nehme ich also mit aus meiner Praktikumswoche? Zwei Dinge muss die Politik angehen: Wir brauchen zum einen unbedingt eine Anhebung des Lohnniveaus. Ich denke dies ist durch eine kombinierte Strategie aus Tarifverhandlungen, Werbung für Gewerkschaftsbeitritte sowie Tarifbindung, Förderprogrammen und dem Arbeitsmarktdruck möglich. Als Nächstes brauchen wir Zuwanderung. Zum einen durch jene, die in den letzten 30 Jahren Thüringen den Rücken gekehrt haben und woanders ihr Glück versucht haben. Es gibt sicher das eine oder andere Familienhaus, welches übernommen werden könnte. Dann müssen aber hier auch die gleichwertig bezahlten Jobs, wie in den alten Bundesländern sein. Auch brauchen wir legale Zuwanderung aus anderen Ländern. Aus der EU gestaltet sich dieser Zuzug recht einfach und dass er gut funktionieren kann, beweist momentan Tambach-Dietharz, wo aufgrund des Arbeitszuzuges aus Rumänien bereits der Kindergarten erweitert wird. Aber auch aus Nicht-EU-Ländern brauchen wir Zuzug, um die freien Stellen mit arbeitswilligen, motivierten jungen Leuten zu besetzen. Ich glaube ferner das Arbeit der beste integrierend Faktor ist. Thüringen wird sich verändern. Es wird älter aber vielfältiger werden. Wir liegen in der Mitte Deutschlands und Europas und haben das Potenzial eine wohlhabende und lebenswerte Region zu werden. Reich an Natur, Kultur, Arbeit und Wohlstand. Diesen Wandel bewusst und verträglich für unsere Region und deren Einwohner zu gestalten wird die Aufgabe der Politik sein.